Die Meyer-Werft in Papenburg ist einen Besuch wert

Blick in die große Halle der Meyer-Werft in Papenburg

„Auf dem Wasser“ ist der Schwerpunkt dieses Jahr hier im Blog – da bietet es sich doch auch an, einer Werft einen Besuch abzustatten. Dass ich dann über Twitter Florian kennenlernte, der nicht nur „Cruise Tourism Management“ an der Hochschule Bremerhaven studiert, sondern auch in der Meyer-Werft in Papenburg Besucherführungen macht, war zusammen mit der Idee, Osterurlaub an der Nordsee zu verbringen, ein Glücksgriff. Via Twitter wurde alles besprochen, kurzerhand noch ein Freund nebst Tochter mit eingeplant und dann hieß es, die riesigen Hallen der Meyer-Werft in Papenburg zu besichtigen.

Siehst Du die Kante der Halle? Das ist das Tor, aus dem die Ozeanriesen aus der Halle fahren in der Meyer-Werft Papenburg

Siehst Du die Kante der Halle? Das ist das Tor, aus dem die Ozeanriesen aus der Halle fahren

Florian holte uns direkt am Tor ab

Meyer-Werft-Papenburg_7und nach einer kurzen Anmeldung, die er für uns übernahm, ging es schon über den Steg in das Besucherzentrum der Werft.

Eingang zum Besucherzentrum der Meyer-Werft in Papenburg

Eingang zum Besucherzentrum der Meyer-Werft in Papenburg

Das Besucherzentrum wurde gerade erneuert und startete Anfang April. Wir damit ein paar der ersten Menschen, die das sehen konnten. Bunt und großräumig geht es los hier.

Blick in den Eingangsbereich des Besucherzentrums

Blick in den Eingangsbereich des Besucherzentrums

Hier ist der Wartebereich, in dem Du verweilen kannst, bis der erste Kinosaal frei ist. Los geht es dannt mit einem kurzen Imagefilm zur Meyer-Werft, der zeigt, was dort alles so gemacht wird.

Von dort aus geht es über mehrere Räume, zunächst in einen, in dem verschiedene Schiffe, die die Meyer-Werft in den letzten Jahren erbaute, als Modell ausgestellt sind.

Eines der Modelle der Schiffe, die in der Meyer-Werft gebaut wurden

Eines der Modelle…

Schnell ist dabei zu erkennen, dass diese immer größer und höher werden. Und daher musste auch die neue Halle direkt erweitert werden. Bei der derzeitigen Schiffsgröße ist jedoch langsam das Ende der Fahnenstange erreicht – zumindest für den Standort Papenburg, da die Schiffe ja aus dem Emsland auch irgendwie auf das Meer müssen und die Breite des Kanals begrenzt ist. Schon jetzt ist es nicht einfach, die Ozeanriesen aus Papenburg auf das Meer über die Ems zu überführen – höchste Konzentration ist da seitens des Kapitäns und seiner Mannschaft gefragt.

Florian erzählt uns eine Menge zu den gebauten Schiffen, nicht alles davon konnte ich behalten. Beeindruckend ist es allemal! Insgesamt 36 Monate dauert es derzeit, so ein riesiges Kreuzfahrtschiff wie die Anthem of the Seas von der Planung über die Konstruktion bis zur Vollendung zu erbauen. Wenn Du vor so einem Schiff stehst, wird Dich allerdings auch das wundern und Du fragst Dich nur: „What? So schnell??“.

Circa die ersten sechs Monate sind dabei der Festlegung des Basisdesigns gewidmet, weitere rund zwölf Monate für die Festlegung der globalen Parameter, die Detail- und Konstruktionsplanung.

Wusstest Du, dass rund 400 km Rohre in so einem Schiff verbaut werden? 2.200 km Kabel eingebaut werden? 300 t Farbe verwendet, um es anzustreichen? Das sind die Zahlen der Anthem of the Seas…

Meyer-Werft-Papenburg_4

Ständig sind die Ingenieure der Werft auf Ideensuche, wie so ein Kreuzfahrtschiff noch energieärmer betrieben werden kann. Wie beim Antrieb Rohstoff gespart werden kann – derzeit werden rund 7 Tonnen Schweröl benötigt. Pro Stunde!

Wenn alles normal läuft, sind immer vier Schiffe gleichzeitig im Bau auf der Werft. Alle in unterschiedlichen Bauphasen und es war einiges an Hirnschmalz nötig, um hier eine effiziente Nutzung des begrenzten Platzes zu erreichen. Gebaut wird hier in Blockbauweise, das Schiff entsteht also nicht am Stück, sondern die beiden Mittelteile, Heck und Bug werden separat gebaut und später zusammengesetzt. Oder besser gesagt: Geschweisst!

In weiteren Räumen sehen wir übrigens auch Teile, die verbaut werden und erfahren so einiges über die Geschichte der Meyer-Werft, die schon 1872 mit dem Bau von Eisenschiffen begann, nachdem der Sohn des damaligen Firmenchefs dies in Amerika gesehen hat. Seinerzeit gab es noch rund 20 Werften in Papenburg – die Meyer-Werft ist die einzige, die bis heute überlebt hat. Und sich erst 2014 mit dem Kauf einer Werft in Turku (Finnland) zudem nochmals vergrößert hat, denn das ist bereits der dritte Standort der Werft (auch in Rostock befindet sich mit der Neptun Werft ein Standort, der 1997 erworben wurde). Die ursprüngliche Werft hier ist mit einer Gründung im Jahre 1737 sogar noch älter als das Stammhaus der Meyer-Werft in Papenburg, denn das wurde „erst“ 1795 gegründet 😉

Toll gemachter Film zur Historie der Meyer-Werft. Seiten klappen um wie in einem Buch

Toll gemachter Film zur Historie der Meyer-Werft. Seiten klappen um wie in einem Buch

Ausführlicheres zur Geschichte und zu Meilensteinen des Schiffsbaus der Werft kannst Du auf der Website der Meyer-Werft nachlesen. Mit die interessanteste Geschichte aus der Vergangenheit war für mich, dass im 2. Weltkrieg ein komplettes Schiff absichtlich im Hafenbecken versenkt wurde, damit es nicht zerbombt wurde.

In weiteren Räumen sind einige Kabinen in Originalgröße verbaut, so dass Du Dir auch hier einen Eindruck machen kannst, wie viel Platz Du ab Board eines Kreuzfahrtschiffes für Dich hast. Und diverse Monitore, die Dir ein paar Besonderheiten der hier erbauten Schiffe zeigen.

Monitor-Meyer-Werft

Denn auch das zeichnet eine Werft heutzutage aus – jedes Kreuzfahrtschifft benötigt neue Highlights. Und so gibt so gibt es auf der bereits erwähnten Anthem of the seas eine Gondel, die 90 Meter über die Wasseroberfläche mit einer Kraneinrichtung gebracht werden kann, so gibt es Kletterwände und regelrechte Aquaparks auf anderen Schiffen. Rutschen, die über das Schiff hinaus gehen über das Meer und sorgfältig geplante Konzertsäle, die akustisch verstärkt werden. Oder auch Autoscooter…

Übrigens – auch Internetjunkies kommen auf Ihre Kosten – trotz Meer gibt es WLAN: Allein die Reederei Royal Caribbean International hat drei Satelliten ins Weltall geschossen, um dies zu ermöglichen. Von der Quantum of the Seas wird gemunkelt, dass sie eine bessere Bandbreite als alle rund 400 Kreuzfahrtschiffe zusammen auf den Weltmeeren bietet. Leider ist das dann auch nicht ganz billig, wie ein Blick auf die Website von Royal Caribbean zeigt. Aber verständlich, wenn man den Aufwand bedenkt.

Was natürlich nicht fehlen darf bei so einer Besichtigung, das ist ein Blick in die Produktion. Hier ein Blick in die Große der Hallen, wo gerade die Norwegian Escape fertig gebaut wird (die dann im Herbst 2015 auf der Ems ins Meer überführt werden soll – da wäre ich ja gerne dabei…).

Blick in die große Halle der Meyer-Werft in Papenburg

Blick in die große Halle der Meyer-Werft – der Bau der Norwegian Escape kommt voran

Die Ausmaße sind beeindruckend und lassen sich auch auf den Bildern kam erahnen. Erst als ein Mensch unten entlang läuft, werden mir wieder die gewaltigen Dimensionen deutlich. Und ich war ja schon mal zu einer Schiffstaufe eines solchen Ozeanriesen (Über die MSC Preziosa hatte ich seinerzeit bei Sven drüben gebloggt, ist aber kein Schiff aus der Meyer-Werft) eingeladen und staunte damals Bauklötze.

Ein kleines Video von der kleinen Halle, die sich daneben befindet, habe ich bei Instagram eingestellt:

Kleine Halle der Meyer Werft..

Ein von Travellerblog (@hubertmayer) gepostetes Video am

Danach geht es durch den Besuchershop nach draussen, wo ihr dann nochmal einen Blick auf das Wasser habt.

Aus der Schleuse fahren die Ozeanriesen der Meyer-Werft auf die Ems in Papenburg

Aus der Schleuse fahren die Ozeanriesen der Meyer-Werft auf die Ems

Fazit zur Besichtigung der Meyer-Werft Papenburg

Machen! Wenn Du die Gelegenheit dazu hast, schau Dir das an. Es ist beeindruckend, was für Riesen hier geschaffen werden und wie die Meyer-Werft anderen Werften weltweit immer wieder Paroli bietet – und das seit 1795. Das Besucherzentrum wurde zum 01.04.2015 nach einer kompletten Erneuerung neu gestaltet – nicht nur für die Kreuzfahrtschiffe denkt sich die Meyer-Werft immer wieder neues aus, sondern auch für die Besucher.

Fakten zur Besichtigung der Meyer-Werft Papenburg

Die Meyer-Werft am Rande Papenburgs erreichst Du entweder mit Bahn (Bahnhof Papenburg) und dann mit dem Bus oder mit dem Auto. Ein Besucherparkplatz ist vorhanden.

Adresse:
MEYER WERFT GmbH & Co. KG
Industriegebiet Süd
26871 Papenburg

Navigationsgerät: Papenburg – Industriegebiet Süd – Rheiderlandstrasse – Ecke Vellager Strasse
Koordinaten: 53° 05′ 55,14“ N 7° 21′ 26′,79“ O

Website der Meyer-Werft

Kosten für eine Führung inklusive Gästeführer (2015): Erwachsene 12,90 EUR, Kinder von 6 bis 18 Jahren 7,50 EUR, darunter 1 EUR pro Nase.

Dauer einer Führung: Ca. 2 Stunden (es gibt immer wieder Toiletten unterwegs ;))

Es gibt auch eine VIP Führung… 😉

Buchen kannst Du die Führung bei Papenburg Tourismus hier.

Ich wurde zu der Besichtigung über Flo mit freundlicher Erlaubnis der Meyer-Werft eingeladen (ich zahlte keinen Eintritt, Anfahrt ging auf meine Rechnung). Herzlichen Dank für die Einladung und tolle Führung! Wer meint, dass die Einladung meine Meinung beeinflusst, kennt mich schlecht. Ich habe mich dem Reisebloggerkodex verpflichtet.
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Veröffentlicht von Hubert Mayer

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