Heimatliebe Stuttgart: Mit dem Neckar Käpt’n über den Neckar schippern und mehr

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Stuttgart ist meine Heimat. Hier bin ich geboren und aufgewachsen (ok, 20 km außerhalb aufgewachsen). Seit 10 Jahren wohne ich nun inmitten der Stadt und dass ich Stuttgart liebe, das hab ich unter anderem hier mal geschrieben. Was ich auch unheimlich gerne mache – auf dem Wasser sein. Letztes Wochenende nutzte ich es daher aus, mal einen Sonntag nicht mit meinem Handgepäckkoffer auf Reisen zu sein: Und machte ein paar Touren auf dem Neckar.

Da traf es sich ganz gut, dass Janett von Teilzeitreisender eine Blogparade zum Thema Heimatliebe ins Leben gerufen hat. Donnerstag waren wir zusammen unterwegs und sie erinnerte mich nochmal daran, was auch gut war – denn den Beitrag zu Stuttgart kann ich gut vor ziehen, bevor ich mit Dir nochmal nach Belgrad und an die Nordsee fahre…

Und in dem Zusammenhang zeige ich Dir neben Klassikern auch mal ein paar ungewöhnlichere Dinge in und um Stuttgart. Nicht die übliche Touritour 😉

Starten wir den Heimatliebeteil mit

Schifffahrten auf dem Neckar mit dem Neckar Käpt’n

Gemütlich geht es zu an Board der Schiffe des Neckar Käpt’n in Stuttgart. Jetzt im April sind es noch wenige Rundfahrten, die angeboten werden. Die NeckarPark Rundfahrt beispielsweise. Und die Max-Eyth-See Rundfahrt. Warum ich Dir zu zweiterem rate, das erfährst Du, wenn Du weiter liest. Ab Mai kommen dann übrigens auch noch die Linienfahrten dazu, die bis Marbach (dort mit Umstieg auch bis Besigheim) bzw. bis Hessigheim gehen. Auf letztgenannter Linienfahrt kannst Du sogar wieder bis zum Anleger an der Wilhelma zurück fahren – ein perfekter Tag auf dem Wasser! Ich werde das an einem freien Wochenende sicher mal wieder machen!

Los gehen die Fahrten am Anleger Wilhelma in Stuttgart Bad-Cannstatt. Dort ist auch ein kleines Häuschen, an dem die Tickets für die Rundfahrten auf dem Neckar verkauft werden.

Die NeckarPark-Runde

Doch, es kann einen Grund geben, diese Schifffahrt zu machen. Dann nämlich, wenn Du noch nie Schleuse gefahren bist und nur eine Stunde Zeit hast. Denn direkt nach dem Ablegen in Stuttgart fährt das Schiff in die Cannstatter Schleuse, wo Du und die anderen Passagiere dann in gut 10 Minuten (ohne auf die Uhr geschaut zu haben) ca. sechs Meter in die Höhe geschleust werdet.

Die Cannstatter Schleuse

Die Cannstatter Schleuse

Weitere Daten zur Schleuse gibt es bei Wikipedia 😉

Streetart an der Cannstatter Schleuse

Streetart an der Cannstatter Schleuse

Nach dem Anheben des Schiffes geht es neckaraufwärts, auf der Backbordseite (links) zieht der Cannstatter Wasen vorbei, wo derzeit das Frühlingsfest stattfindet. Auf der Steuerbordseite (rechts…) des Schiffes ist vorne schon der markante Gaskessel zu sehen.

Der Gaskessel....

Der Gaskessel….

Hierbei handelt es sich um den größten sich noch in Betrieb befindlichen Scheibengasbehälter in Europa. 1944 wurde er komplett bei einem Fliegerangriff zerstört und 1949 in gleicher Größe wieder errichtet (Quelle: Wikipedia und teilweise Schiffsdurchsage).

Kurz vor dem Wendepunkt des Schiffes siehst Du auf der Backboardseite des Schiffes noch das Mercedes-Benz-Museum. Doch das lässt sich auf dem Weg beispielsweise zur Grabkapelle (siehe unten) besser anschauen).

Auf dem Rückweg fällt mir lediglich noch das Ding hier auf. Ich schätze, damit werden Schiffe (?) beladen?!

Wasauchimmer

Und diese Kirche.

Kirche

Ansonsten finde ich diese Strecke eher uninteressant, weswegen ich Dir auch zur zweiten derzeit angebotenen Rundfahrt

May-Eyth-See Runde mit dem Neckar Käpt’n

rate. Denn hier gibt es deutlich mehr zu sehen. Auch die Max-Eyth-See Runde startet an der Wilhelma und dann kommt auch schon nach kurzer Zeit auf der Steuerbordseite das Theaterschiff, das rund 300 Gästen Platz bietet.

Theaterschiff

Von dort geht es weiter, unter dem Mühlsteg durch, wo Du gut sehen kannst, dass dieser verlegt wurde, da noch eine alte Säule hier leblos aus dem Wasser ragt.

Der Mühlsteg in Bad Cannstatt

Der Mühlsteg

Auf der Steuerbordseite folgt wenige Zeit später der große, noch recht neue Spielplatz Neckarine, der für Kinder einen Besuch wert ist, denn der ist einem Schiff nachempfunden. Auf der Backbordseite hingegen ist das Heizkraftwerk Münster nicht zu übersehen. Der Turm, den Du hier siehst,

Das Heizkraftwerk Münster mit dem 180 m Turm

Das Heizkraftwerk Münster mit dem 180 m Turm

ist ganze 180 Meter hoch, was ich mir gar nicht vorstellen kann, als ich vorbei fahre. Die rote Markierung am Turm ist auf 100 Metern Höhe angebracht. Der Turm hat die derzeit modernste Abgasfilteranlage weltweit.

Ab hier wird dann auch die Strecke richtig schön, denn es geht an den Weinbergen vorbei, die am Rande von Stuttgart gelegen sind. Auf der Steuerborseite siehst Du beispielsweise die Reben des Cannstatter Zuckerele – die machen sehr leckeren Wein aus den Trauben.

Hier kommt der leckere Cannstatter Zuckerle her

Hier kommt der leckere Cannstatter Zuckerle her

Doch auch in Folge siehst Du viel von der Gegend, während Dein Körper und Dein Kopf Zeit haben, einen Gang runter zu schalten. Denn darum geht es ja bei so einer Fahrt – einfach mal abzuschalten und zu entschleunigen. Den Streß des Alltags abperlen lassen. Einfach die Sonne und die Umgebung zu genießen.

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Auf der Backboardseite des Schiffes schaue ich wieder neidisch nach oben: Der Garten mit Terrasse, den ich hier immer sehe, der macht mich jedes Mal neidisch auf der Strecke. So etwas hätte ich doch auch sehr gerne 😉

Der Garten, der reizt mich...

Der Garten, der reizt mich…

Nach rund einer halben Stunde ist es soweit, das Ziel / der Ort, an dem das Schiff dreht, ist erreicht: Der Max-Eyth-See. Der See ist ein sehr beliebtes Naherholungsziel im Stuttgarter Umland. Im Sommer ist hier proppevoll – der See ist aber auch gut zu erreichen, denn es gibt Parkplätze und eine Stadtbahn hält nur wenige Meter entfernt.

Auch auf der Rückfahrt weiss der Kapitän einiges zu erzählen (ok, es ist eine automatisierte Ansage, aber Pssst), so zum Beispiel, dass der Mühlsteg

Das "Golden Gatle"

Das „Golden Gatle“

im Volksmund auch Golden Gatele genannt würde. Hmmm. Ob das so stimmt?

Nach einer Stunde heißt es, wehmütig das Schiff zu verlassen. oder wie ich einfach noch ein paar Runden zu fahren, denn es gibt auch ein Jahresticket (ich meine, es hatte letztes Jahr 66 EUR gekostet), mit dem Du alle Linien- und Rundfahrten machen kannst, so oft Du willst. Und auch noch 50 % auf die Erlebnisfahrten bekommst. Und von denen gibt es einige, beispielsweise eine Jazz-Flösser-Frühschoppenfahrt oder auch ein Rivercruisedinner. Das vollständige Programm nach Datum sortiert gibt es hier.

Was Du am Ziel/Start der Rundfahrten auch machen kannst – der Wilhelma einen Besuch abstatten. Die Wilhelma ist ein zoologischer und botanischer Garten, direkt nebenan und definitiv einen Besuch wert. Neben den für Zoos „üblichen“ exotischen Tieren wie Löwen, Elefanten und so gibt es auch den Bereich des ehemaligen Schaubauernhofes der IGA 1993, wo vom aussterben bedrohte heimische Rassen zu finden sind. Also beispielsweise Schweine und Pferde, bei denen die Zucht dafür sorgt, dass so manche Rasse vom Erdboden verschwindet.

Fakten zum Neckar Käpt’n

Die Rundfahrten starten an der Wilhelma und kosten Erwachsene 9,00 EUR, Kinder 4,50 EUR.

Infos zu allen Fahrten gibt es auf der Website des Neckar Käpt’n

Ein Besuch der Grabkapelle Rotenburg

Hier war ich letztmals vor ca. fünf Jahren. Unsere Wanderung startete damals in Obertürkheim am Bahnhof, von wo aus es recht steil aufwärts ging, vorbei an der Petruskirche, die wohl auch einen Besuch lohnt, aber gerade renoviert wurde hoch nach Uhlbach. Uhlbach ist ein sehr schöner Stadtteil, in dem zahlreiche Fachwerkhäuser zu sehen sind und auch das Weinbaumuseum in der Alten Kelter (sorry, kein Link, da startet automatisch Musik…) lohnt einen Besuch.

Ebenfalls empfehlenswert: Die Restaurants in Uhlbach. Gute schwäbische Küche, großteils alles frisch zubereitet, dazu die heimischen leckeren Weine!

Von dort geht es weiter aufwärts zur Grabkapelle mit einem fantastischen Ausblick über Stuttgart Bad Cannstatt

Ausblick auf dem Weg zur Grabkapelle

Ausblick auf dem Weg zur Grabkapelle

und durch das Neckartal in Richtung Esslingen.

Die Grabkapelle wurde von König Wilhelm I für seine schon drei Jahre nach der Hochzeit jung verstorbenen Gattin Katharina erbaut. Ausführliche Informationen gut aufbereitet findest Du hier.

Die Grabkapelle auf dem Rotenberg

Die Grabkapelle

 

Stadtführung mit Trottwar

Stadtführungen in Stuttgart gibt es zuhauf. Eine normale sollte ich vielleicht auch einmal mitmachen. Doch die Stadtführung von Trottwar ist anders – und daher so interessant. Trottwar ist die Stuttgarter Strassenzeitung und so gehen die Wege nicht an die „normalen“ Sehenswürdigkeiten, sondern an Orte, die Obdachlose aufsuchen.

Methadonabgabestellen, Frauenhaus, Wärmestube, Notunterkunft und vieles mehr sind Orte, die teilweise direkt angelaufen, werden teilweise nur grob angedeutet (aus Schutzgründen). Dazu gibt es zahlreiche interessante Geschichten, die helfen, manches zu verstehen, so zum Beispiel, warum in manchen Toiletten blaues Licht ist und warum in unterirdischen Stadtbahnstationen leise Klassikmusik zu hören sein kann.

Zu viel will ich Dir hier nicht verraten, ausführlicher zu dieser besonderen Stadtführung habe ich auch schon auf hubert-mayer.de hier geschrieben.

Lokstoff – Theater im öffentlichen Raum

Auch das Theater Lokstoff ist anders. Theater im öffentlichen Raum ist der Untertitel, und das nicht ohne Grund. Statt dass Du Dich in einen klimatisierten Theatersaal setzt, sitzt Du beispielsweise in einem Möbelhaus und schaust auf die Strasse, wo das Theater stattfindet. Ohne zu wissen, welche der Personen draussen tatsächlich nur Passanten sind und wer zum Stück gehört. Engel über Stuttgart nennt sich dieses Stück, in dem ich bei den ersten Aufführungen als eine Art Aufpasser auf der Strasse, nicht sichtbar für die Zuschauer, fungiert habe. Zu Beginn bestand nämlich schon ein wenig Unsicherheit, wie Passanten reagieren, wenn auf einmal jemand auf der Strasse steht und lauthals mit jemanden einseitig diskutiert und dabei in den ersten Stock schaut. Wo aber niemand zu sehen ist 😉

Oder auch eine Fahrt mit einem dafür verwendeten Linienbus, der eine normale Route fährt oder auch im Untergrund der Stuttgarter Stadtbahnen finden Aufführungen statt. Jede ist anders, immer wieder wirst Du überrascht, was passieren kann. Ich möchte unbedingt noch ein paar der Aufführungen miterleben. Vielleicht mit Dir?

Den Spielplan von Lokstoff findest Du hier.

So, das war mein Beitrag zur Aktion Heimatliebe. Jetzt muss ich den nur nächste Woche noch mit Bildern bestücken, und dann kannst Du das hier auch lesen 😉

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Veröffentlicht von Hubert Mayer

Jahrgang 73, Blogger, Netzwerker, LL.B, Versicherungsbetriebswirt (DVA), stark ehrenamtlich in Stuttgart engagiert, Onlinejunkie. Du findest mich auch auf Twitter, Twitter, Facebook, Facebookseite des Travellerblogs, Google+ Wer mich und meine Bloggerei unterstützen möchte: Mein Amazon Wunschzettel ist lang

4 Kommentare

  1. Wow, du glaubst gar nicht wie neidisch ich bin, dass ihr in STR so einen schönen schiffbaren Fluss habt. In München können wir zwar gut am Wasser sitzen. Die Sache mit der Schiffbarkeit ist aber so eine Sache. Eigentlich hast du keine Chance.

    Viele Grüße ins Ländle!
    LG Phil

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