Von Kaprun über Maiskogelalm auf’s Kitzsteinhorn – naja, fast, bis zum Alpincenter geht es gut…

Kitzsteinhorn und Nebel von Kaprun aus

Von Kaprun auf’s Kitzsteinhorn? Zu Fuß? Sieglinde erklärte mich direkt für irre. Oder zumindest so ähnlich.

Doch ja, genau das hatte ich mir vorgenommen. In Kaprun ab dem Gästehaus Steger (kurz vor der Burg Kaprun) zu starten und dann via „Waldweg“ über die Maiskogelalm hoch zum Alpincenter auf dem Kitzsteinhorn. Sind rund 10 km. Eigentlich nicht viel, oder? Gut, starten tut die Tour auf ca. 786 m. ü. A., das Ziel hingegen auf 2.450 m. Also knackige 1.664 Höhenmeter Unterschied. Ich war mir zugegebenerweise nicht so sicher, ob ich das schaffen werde, doch ich wollte es unbedingt versuchen…

Das Wetter sollte halten, und so ging es morgens mit Blick auf das Kitzsteinhorn mitten in Kaprun los:

Kitzsteinhorn und Nebel von Kaprun aus

Kitzsteinhorn und Nebel

Von dort aus läuft man rechts an der Kapruner Ache entlang bis kurz nach der Kirche, dort in die Strasse schräg rechts rein und dann steht man erstmals vor einem Wegweiser für den ersten Streckenabschnitt

Wegweiser..

Wegweiser..

Maiskogelweg – von Kaprun zur Maiskogelalm

Drei Stunden? Autsch. Es ist 8.51 Uhr, der nette Mann an der Maiskogelbahn sagte mir zwei Tage vorher, man braucht etwa zwei Stunden. Und für die spätere Strecke Maiskogelalm – Alpincenter Kitzsteinhorn habe ich nur eine Beschreibung für den Weg nach unten gefunden, die soll vier Stunden gehen. Wären dann sieben Stunden plus umgekehrte Richtung – das könnte knapp werden, ich muss ja oben die letzte Bahn erreichen.

Kurz zaudere ich, dann denke ich, ich versuche es trotzdem. Sehe ja auf der Maiskogelalm, wie lange ich tatsächlich gebraucht habe.

Los geht es auf einer Asphaltstrasse, schon an der ersten Kehre trennt sich der Weg. Wer dem Güterweg folgen möchte, der nimmt die Kehre, ich laufe gerade aus weiter, will ich doch den Maiskogelweg durch den Wald nehmen.

Achtung, jetzt musst Du ein wenig aufpassen: Die Wegzeiten, die ich ab und an nenne, sind meine. Du kannst da schneller oder langsamer unterwegs sein. Warum ich das hier schreibe, siehst Du, sobald wir zusammen an der Maiskogelalm angekommen sind.

Nach 15 Minuten geht es nach rechts, endlich weg von der Asphaltstrasse.

Endlich weg vom Asphalt auf dem Maiskogelweg

Endlich weg vom Asphalt…

Es geht von hier aus kurz durch ein Waldstück, nach insgesamt 25 Minuten Wegzeit stetig bergauf komme ich an die erste Bank, die ich bewusst wahrnehme.

Bank zum Ausrugen auf dem Maiskogelweg

Bank zum Ausrugen auf dem Maiskogelweg

Von diesen Bänken kommen im Laufe des Weges noch eine Menge, ihr müsst also nicht schon an der ersten anhalten 😉

Der Weg führt immer weiter, mittlerweile auf einer Wiese nach oben.

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Nach insgesamt 35 Minuten Wegzeit kommt die Abzweigung zur Jausenstation Stangenbauer, die ihr auf dem Bild hier schon weiter oben sehen könnt.

Der weitere Weg ist von dem Dauerregen der vorherigen Tage noch stark durchweicht, bis zur Sohle versinke ich bei jedem Tritt im Schlamm auf den Wiesen. Die Kühe, an denen ich vorbei komme, sind übrigens sehr neugierig…

Muuuhhhhh

Muuuhhhhh

Der Weg gefällt mit sehr gut, denn immer wieder habe ich einen schönen Ausblick runter ins Tal Richtung Kaprun und Zell am See.

Kaprun_Maiskogel_Kitzsteinhorn_2014_10

Kaprun_Maiskogel_Kitzsteinhorn_2014_9

Zwei Kehren lang ging es bis dahin auf dem Güterweg voran, dann kam wieder die Abzweigung auf den Waldweg. Unterwegs sehe ich Mountainbikefahrer, die den Berg hoch fahren. Finde ich immer wieder faszinierend, wie man sich so quälen kann 😉

Schon lange bin ich tierisch am Schwitzen, das Tempo, das ich vorlege ist hoch. Immer wieder beschlägt meine Brille.

Zwischendurch kommt ein kurzes Stück, wo Du aufpassen musst, da die Wegauszeichnung nicht ganz optimal ist. Dort, wo Du kurz steil hoch gehst und links ein blaues Seil ist, da musst Du dann auch links abbiegen, wenn Du weiter den Waldweg nehmen willst. In einigen Metern Entfernung ist die rot-weiss-rote Markierung gerade noch zu sehen.

Punkt 10 Uhr lege ich eine Pause ein.

Pause. Kaputt...ich..

Pause. Kaputt…ich..

Ihr seht, ich bin schon ziemlich geschafft und sehr froh um diese Bank, von der ich freie Sicht auf den Zeller See und Kaprun habe. Doch meine Pause ist kurz, ich will mich nicht erkälten und setze daher schon nach vier Minuten meinen Weg zur Maiskogelalm fort. Weit kann es nicht sein, der Höhenmesser der DAV App sagt, ich sei auf 1.438 m.

Wenige Meter weiter sehe ich schon über mir mein Zwischenziel, die Maiskogelalm.

Blick von unten hoch zur Maiskogelalm

Blick von unten hoch zur Maiskogelalm

13 Minuten später, um 10.20 Uhr erreiche ich die Maiskogelalm, wo ich dann Pause bis 11 Uhr mache. Moment. 10.20 Uhr? Abmarsch 8.51 Uhr? Jetzt weisst Du, warum ich schrieb, meine Wegzeit… statt drei Stunden war es gerade mal die Hälfte der Zeit, die ich benötigt habe.

Ein paar Bilder von der Maiskogelalm könnt ihr euch in dieser Galerie anschauen:

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Teuer ist es hier nicht, trotzdem trinke ich nur ein Radler (4,00 EUR, meine gewünschte Buttermilch gab es leider nicht) und genieße die Sonne.

Die Maiskogelalm liegt auf 1.675 m und hat derzeit täglich ab 10 Uhr geöffnet. Einen kleinen Blick auf die Speisekarte gönne ich auch gerne:

Speisekarte der Maiskogelalm

Speisekarte der Maiskogelalm

Punkt 11 Uhr starte ich den zweiten Teil meiner Strecke, den

Alexander Enzinger Weg von der Maiskogel über die Schoppachhöhe zum Alpincenter Kitzsteinhorn

Auch hier habe ich wieder einen schönen Blick in Richtung des Kitzsteinhorns:

Blick zum Kitzsteinhorn

Blick zum Kitzsteinhorn

Immer wieder drehe ich mich um und blicke zurück ins Tal.

Blick ins Tal

Blick ins Tal

Die Aussicht kann man auch immer wieder neu genießen, noch kommen wieder Bänke, die auf eine kurze Pause einladen.

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Der Weg, den ich jetzt gehe, ist so, wie ich mir einen schönen Weg den Berg entlang vorstelle.

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Immer wieder halte ich an, genieße den Ausblick…

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Doch dann, der erste Schwächeanfall. Mir wird ganz kurz schwindelig, ich habe es wohl bei dem Aufstieg ein wenig übertrieben mit der Geschwindigkeit. Dabei bin ich erst auf etwa 1.850 m. Kurz zögere ich, dann gehe ich weiter. Noch sehe ich die Hütten, an denen ich gerade vorbei gekommen bin, kann also jederzeit umdrehen.

Doch bald schon geht es nach einem kurzen Abstieg steil nach oben:

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Alle ca. 50 Meter halte ich an und mache eine kurze Pause.

Der Weg von oben...

Der Weg von oben…

Der Schwindel kommt immer wieder, immer wieder denke ich darüber nach, abzubrechen. Um 12 Uhr wird es Zeit, nochmal länger Pause zu machen und so sitze ich für 10 Minuten da und genieße den Ausblick.

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Irgendwann werde ich überrascht und zweifle an meinem Verstand. Trete ich mit dem rechten Fuss auf, höre ich ein Wasserrauschen. Trete ich mit dem linken Fuss auf, so ist nichts zu hören. Ein weiterer Schritt nach rechts bringt die Lösung: Ein tiefer Einschnitt zeigt sich, unten ist ein Bach zu sehen. Doch der Schall schallt durch den steilen Berg offensichtlich über mich drüber, wenn ich nicht nahe genug an der Kante bin. Ein Schritt zur Seite macht den Unterschied.

Apropos ein Schritt. Der Weg wird beschis***. Im wahrsten Sinne des Wortes. Schafe haben ihre Hinterlassenschaften verbreitet, der Weg ist sehr schmal und durch die vielen Regenfälle der letzten Tage ist der Weg eh aufgeweicht bis zum geht nicht mehr.

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Auf dem letzten Bild seht ihr auch gut, was ich meine, wenn ich schreibe, ein Schritt macht den Unterschied. Es geht verdammt steil runter an der Seite, der weg ist nur ca. 20-30 cm breit und durchweg rutschig. Das kostet mich mentale Kraft, ständig bin ich am Rumrutschen.

Insgesamt ist der Weg jedoch toll und vielfältig – ein paar der weiteren Bilder auf dem Weg packe ich euch mal in die folgende Galerie, nehmt euch ruhig ein wenig Zeit und genießt den Ausblick:

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Auf dem Weg stosse ich immer wieder mal auf Menschen. Aber nicht nur auf Menschen 😉

Hund im Weg...

Hund im Weg…

Der ließ sich von mir auch nicht stören und wich keinen Schritt zur Seite bis sein Herrchen endlich ankam.

Doch nicht nur Menschen und Hunde gab es, auch die „Übeltäter“, die ich schon erwähnte:

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Nach ca. 2 3/4 Stunden komme ich auf in die Nähe der Gondelanlagen, schön sieht das im Sommer hier nicht aus.

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Die Krefelder Hütte..

Durch die Netze sehe ich nicht richtig, wo der Weg weiter geht. Daher folge ich ein Stück der Strasse, hier ist große Baustelle. Es geht hier an der Krefelder Hütte vorbei nach oben. Das Ziel habe ich nun immer vor Augen:

Krefelder

Ein Stück weiter oben finde ich wieder den Einstieg in den Wanderweg, den ich auch die letzten Meter gehe. Eins könnt ihr mir glauben: Alle 10-20 Meter bleibe ich stehe, denn ich bin fix und alle. Glaubt ihr nicht? Drei Stunden nach Beginn dieser Etappe auf dem Alexander Enzinger Weg komme ich am Alpincenter des Kitzsteinhorns auf 2.450 Meter an und sehe so aus:

Selfie vor dem Alpincenter am Kitzsteinhorn

Selfie vor dem Alpincenter am Kitzsteinhorn

Und, fertig, oder? Doch drei Monate vorher hätte ich das wohl kaum geschafft, da hatte ich noch ca. 13 kg mehr auf den Rippen.

Jetzt habe ich aber echt nur noch Durst und Kohldampf und suche daher schnellstmöglich das Restaurant auf, bestelle ein Radler und ein Tiroler Gröstl (das mich hier leider nicht sehr begeisterte):

Tiroler Gröstl

Tiroler Gröstl

Anschließend fahre ich noch mit der Gratbahn kurz zur Gipfelstation, doch das enttäuscht mich sehr. Riesige Baustellen sind zu sehen, ein Imbiss und den Schnee runter rutschende Kinder.

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Fazit zur Wanderung von Kaprun zum Alpincenter auf dem Kitzsteinhorn

Es ist eine lohnenswerte Strecke, die ich in einer reinen Wegzeit von fünf Stunden gegangen bin. Für eine erste Pause bietet sich entweder die Maiskogelalm an – oder ca. ca. Minuten später der Großglocknerblick.

Bis auf den Umstand der langen schlammigen Strecke an der Kante des Abhangs entlang, ist die Strecke traumhaft schön. Wenn es also nicht wenige tage vorher tagelang geregnet hat, kann ich jedem die Strecke empfehlen – zumindest allen, die keine Höhenangst haben und einigermaßen trittsicher sind. Wem der Gesamtweg zu viel ist, kann sich meine ersten 1,5 Stunden auch sparen und mit der Maiskogelbahn bis zur Maiskogelalm fahren. GPS Tracks der Strecke gibt es unter anderem hier.

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Veröffentlicht von Hubert Mayer

Jahrgang 73, Blogger, Netzwerker, LL.B, Versicherungsbetriebswirt (DVA), stark ehrenamtlich in Stuttgart engagiert, Onlinejunkie. Du findest mich auch auf Twitter, Twitter, Facebook, Facebookseite des Travellerblogs, Google+ Wer mich und meine Bloggerei unterstützen möchte: Mein Amazon Wunschzettel ist lang

3 Kommentare

  1. Hey Hubert,

    dein Urlaub in Kaprun sieht echt toll aus. Ich hab bisher all deine Beiträge hierzu gelesen. Macht richtig Lust drauf auch im Sommer mal in die Alpen zu fahren. Auch wenn ich wahrscheinlich mehr Strecken mit der Seilbahn fahren würde. 5 Std. wandern macht meine Fitness wahrscheinlich nicht ganz mit. 😉

    • Danke. Bin froh, dass das Wetter noch wurde! Zwei Beiträge kommen noch – die Unterkunft und der Besuch der Stauseen :))

      Können uns ja aufteilen. Du fährst Seilbahn und ich komm nach ;))

  2. Pingback: Urlaub in Kaprun: Ausflug zu den Kapruner Hochgebirgsstauseen - TravellerblogTravellerblog

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