1. Tag der Trinkhallen im Ruhrgebiet, Parkhotel Bottrop und Gasometer Oberhausen

Der Mann auf Stelzen war echt krass drauf! Monstermäßig gedanced hat er beim 1. Tag der Trinkhallen im Ruhrgebiet

Trinkhallen, Büdchen, Kioske – auch sie machen das Ruhrgebiet besonders. Viele sind seit Jahrzehnten in Familienbesitz, werden mit Herzblut betrieben. Willst Du wissen, was in deinem Kiez los ist, gehst umme Ecke an ein Büdchen. Nachts hast Durst? Ab zu einem Büdchen. Sonntags kein Bäcker in der Nähe? Auch hier hilft das Büdchen deines Vertrauens.

Und wer hat als Kind nicht mit großen Augen dort gestanden und die großen Gläser mit Süßigkeiten gierig angegafft…? Nein, ich komme nicht aus dem Ruhrgebiet, doch die gab es auch bei uns und ich erinnere mich gut daran, wie wir im Freibad Pfandflaschen sammelten, um kleinen Süßkram zu kaufen.. Doch zurück zum

1. Tag der Trinkhallen

Schon lange wollte Ruhr Tourismus die Büdchenkultur stärken. Und warum nicht allen Trinkhallen einen eigenen „Feiertag“ schaffen? Jetzt, 2016, war es endlich soweit – der 20.08.2016 wurde als 1. Tag der Trinkhallen ausgerufen. 50 Buden wurden aus den zahlreichen Bewerbungen ausgesucht. In den Bewerbungen durften die Betreiber angeben warum ausgerechnet sie geeignet sind, die Kultur der Trinkhallen zu zeigen. Und einen Vorschlag machen, wie sie zu dem 1. Tag der Trinkhallen beitragen können.
" Das Motto des Tages: „Kumpels, Klümpchen & Kultur“.

Vorbildliche Ausschilderung der teilnehmenden Buden am 1. Tag der Trinkhallen im Ruhrgebiet

Vorbildliche Ausschilderung der teilnehmenden Buden

Schon als ich erstmals in einer Pressemitteilung über die Planungen zu diesem Tag hörte, war begeistert und fasste den Plan, dabei zu sein. Auf der ITB 2016 konnte die Planung ein wenig voran getrieben werden und dann kam tatsächlich die Einladung von Ruhr Tourismus zu diesem Happening. Ob ich denn nicht die Gelegenheit nutzen wolle, in einer Betonröhre zu übernachten im Pott. Zu dieser ungewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeit später mehr (natürlich sagte ich „JA!“).

Als Ziel suchten wir uns dann Essen aus, hier waren eine Menge Buden beteiligt mit unterschiedlichen Programm. Und das auch noch mit recht günstigen Laufwegen, zumindest im Süden von Essen.

Apropos Programm. Folgende 10 Richtungen gab es:

  • Poetry Slam
  • Literatur
  • Kabarett/Kleinkunst
  • Weltmusik
  • Rock/Pop
  • Jazz/Klassik
  • DJ/Elektro
  • Singen
  • Physical Theatre
  • Gemischte Tüte
  • (weitere Trinkhallen)

Und was ist nun der Unterschied zwischen Bude, Büdchen, Trinkhalle, Kiosk? Ich glaube, es gibt keinen, es sind eher regional gewachsene Begriffe, die auch gleichbedeutend mit dem Berliner Späti sind. Du weißt mehr? Gerne ins Kommentarfeld unten!

Und so ging es mir dem Bus von Bottrop nach Essen und dann mit der Tram runter in Richtung Süden zur Haltestelle Rüttenscheider Stern. Die erste Bude mit Programm, die wir anlaufen, liegt dort um die Ecke.

Kiosk Sven Lauer

Offenbar überaus beliebt, uns empfängt eine Menge an Menschen vor der Bude Kiosk Sven Lauer, die Schlange nach innen ist lang.

Kiosk Sven Lauer kurz nach 16 Uhr - schon eine lange Schlange zu erkennen im Hintergrund

Kiosk Sven Lauer kurz nach 16 Uhr – schon eine lange Schlange zu erkennen im Hintergrund

Geplantes Programm hier: Sabine Brandi und Neven Nöthig lesen nostalgische wie visionäre Geschichten, unter anderem aus Jörg Albrechts „Anarchie in der Ruhrstadt“. Musik gibt es von Willi Pilgrim und Johannes Loncarevic und Sylvia Starbesetzung wollen ihre Vision vom Ruhrlandsee vorstellen. Unser Problem: Die Schlange bleibt lang und wir beschließen, eventuell später noch mal her zu kommen und stattdessen zur nächsten Bude zu laufen. Wir haben schließlich Durst!

Stephans Bude

Auch hier an Stephans Bude ist einiges los, doch wir kommen schnell rein und zu einem Bier. Budenkult wird hier groß geschrieben. Es gibt handgemachte Fleischküchle, Kleine Tüten kannst dir direkt gegen Nennung des Preises, den du bezahlen willst, zusammen stellen lassen. Ich nehme schnell eine für 2 EUR, solange es noch Süsskram hat (und natürlich für mich Lakritz ;))

Meine Bunte Tüte für 2 EUR hier von Stephans Bude in Essen am 1. Tag der Trinkhallen

Meine Bunte Tüte für 2 EUR hier von Stephans Bude in Essen. Und ja, ICH mag Lakritz 😉

Sowieso – die Auswahl ist groß an Süsskram für Bunte Tüten…

Basis für die Tütenbefüllung in Stephans Bude

Basis für die Tütenbefüllung in Stephans Bude

Das Kulturprogramm machte uns schon vorher neugierig: Weltmusik von Otumfuo Band ist hier angesagt, ein insgesamt 12-köpfiges Ensemble mit traditioneller westafrikanischer Trommelmusik, Tänzern

Der trommelnde Teil der Otumfuo Band an Stephans Bude in Essen am 1. Tag der Trinkhallen

Der trommelnde Teil der Otumfuo Band an Stephans Bude

und Akrobaten.

Der Mann auf Stelzen war echt krass drauf! Monstermäßig gedanced hat er beim 1. Tag der Trinkhallen im Ruhrgebiet

Der Mann auf Stelzen war echt krass drauf! Monstermäßig gedanced hat er

Und was soll ich sagen – am liebsten wäre ich da geblieben. Das war so voller Leidenschaft mitreißend!

Die Tänzer in Action

Die Tänzer in Action

Wer mir bei Instagram folgt, konnte das in meiner Story live miterleben ☺️

Auch sehr nett – überall gibt es Anstecker, die zum Schmunzeln bringen:

Budisten-Anstecker

Wir ziehen trotzdem weiter, nehmen an einer Bude um die Ecke, die nicht am offiziellen Programm teilnimmt, ein Wegbier und noch ne Tüte (Süßigkeiten natürlich!) mit und laufen wenige Minuten zum

Hexenstübchen am Walpurgistal

Programm hier am Hexenstübchen im Walpurgistal? Singen! Überall kreisen Hefte mit Liedtexten herum, meine Freundin schnappt sich schnell eines und stimmt sofort ein. Rund 70 Lieder sind in dem Heft zum Mitsingen aufgeführt, Uta Minzberg singt und moderiert zusammen mit allen Gästen hier. An der Gitarre: Stefan Grafers. Seit 25 Jahren begeistert er die Menschen und bringt sie dazu, selbst die eigene Stimme zu nutzen.

Am Hexenstübchen Kiosk singen fast alle mit - erstaunlich

Am Hexenstübchen Kiosk singen fast alle mit – erstaunlich

Niemanden wird es hier peinlich, wenn er oder sie einen Ton nicht trifft. Die Stimmung ist familiär-nachbarschaftlich, etwas, was ich bei uns im Stuttgarter Raum selten so antreffe.

Auch hier verweilen wir eine Bier Länge, bevor wir den nächsten Kiosk ansteuern. Unser Ziel:

Kiosk62

Und auch hier am Kiosk62 wieder anderes Publikum, anderes Programm. „Freundliches aufgeschlossener Team“ steht hier nicht nur im Programm für den 1. Tag der Trinkhallen, wir erleben es auch so. Draussen legt DJ Lukas Erdman auf und unterhält das zahlreiche Publikum. Selbst von einer Horde mit einem Leiterwagen mit Soundsystem vorbei ziehenden Gruppe lässt er sich wenig beeindrucken und erhöht nur etwas die Lautstärke.

Einiges los am Kiosk 62 in Essen am 1. Tag der Trinkhallen

Einiges los am Kiosk 62 in Essen

Wir haben mittlerweile großen Hunger und nutzen die Nähe zu Tofino aus, endlich einmal diesen mir schon häufig angepriesenen Burger zu testen.

Kein Teil des 1. Tags der Trinkhallen, aber eine Empfehlung für Essen: Cheeseburger mit Bluecheese im Tofinos

Kein Teil des 1. Tags der Trinkhallen, aber eine Empfehlung für Essen: Cheeseburger mit Bluecheese im Tofinos

Und hey – der Burger ist grandios. Der Bluecheese ist unheimlich aromatisch, der Burger saftig medium!

Es ist kurz nach 20 Uhr – und wir entscheiden, dass wir es wohl kaum noch sinnvoll schaffen, die Trinkhallen im Essener Norden anzusteuern. Der 1. Tag der Trinkhallen soll ja auch etwas mit Gemütlichkeit zu tun haben – und so trinken wir doch noch ein zweites Craftbeer im Tofino und steuern dann unseren Schlafplatz in Bottrop an.

Schlafen in der Betonröhre im Park hotel Bottrop im Bernepark

In ein Betonröhre übernachten? Das klingt nach einem Abenteuer. Und da kann ich natürlich nicht „Nein“ sagen. Auch wenn ich schnell sehe, dass die Übernachtung in einer Betonröhre im Bernepark etwas ganz anderes ist also meine sonst üblichen eher 4 als 3 Sterne Hotels.

Schon auf dem Weg zum Restaurant, wo wir den Schlüssel in Empfang nehmen sollen, sehen wir die fünf Röhren, die dort für die Gäste zur Verfügung stehen.

Das Restaurant im Maschinenhaus und dahinter die Röhren des Parkhotels

Das Restaurant im Maschinenhaus und dahinter die Röhren des Parkhotels

An den Röhren ist auch ein Eingabefeld für einen Code, aber das wurde wohl deaktiviert, weil diese im Internet grassierten. Spannend an dem Konzept dieses Hotels ist, dass hier ein pay-as-you-want etabliert wurde. In der Röhre findest Du einen Umschlag, in den Du rein legst, was Du für die Nacht bezahlen willst. Für den Schlüssel zahlst Du übrigens 20 EUR Pfand – wie wir das Sonntags zurück bekommen sollten, erschließt sich uns aber nicht, da Ruhr Tourismus uns ja eingeladen hatte und auch das Pfandthema vorab geklärt hat.

Von näher dran, sieht das dann so aus

Die 5 Röhren des Parkhotels Bottrop im Bernepark

Die 5 Röhren des Parkhotels Bottrop im Bernepark

Wir sind neugierig und öffnen schnell unsere Röhre:

Ein Blick in unsere Röhre im Parkhotel Bottrop

Ein Blick in unsere Röhre

Nicht allzu groß, aber für zwei sollte es langen. (Tatsächlich schlafen wir sehr gut darin, auch wenn ich morgens zeitig wach werden sollte (bin eh Frühaufsteher) und beim Beinanziehen merke, dass es doch einen begrenzten Platz zu meiner Freundin gibt ;))

Der Blick aus der Röhre ist dafür sehr nett:

Blick-aus-der-Roehre-morgens

Tagsüber kannst Du hier übrigens die Sanitäreinrichtungen des Restaurants nutzen, nach Schließung gibt es einen Container,

Waschraum, Toilette und Dusche für Männlein / Weiblein im Bernepark für die Übernachtungsgäste

Waschraum, Toilette und Dusche für Männlein / Weiblein im Bernepark für die Übernachtungsgäste

in dem neben einer Toilette auch die Möglichkeit zum Waschen und eine Dusche ist.

Dusche im Container im Bernepark

Dusche im Container im Bernepark

Ganz dunkel wird es übrigens nicht in der Röhre, dafür sorgt neben den schmalen Spalten an den Rändern auch das zusätzliche Fenster, das Du hier siehst.

Unsere Röhre im Parkhotel Bottrop im Bernepark. Das Fenster ist oben gut zu sehen

Unsere Röhre im Parkhotel Bottrop im Bernepark. Das Fenster ist oben gut zu sehen

Tatsächlich ist das Übernachten erstaunlich angenehm. Du fühlst Dich wie in der Natur, Du merkt einen leichten Luftzug, hörst die Blätter rascheln und bist trotzdem im Warmen. Apropos im Warmen: Ausstattung ist Bettwäsche und Decken. Alles darüber hinaus, auch Handtücher, musst Du bitte selbst mitbringen für das Parkhotel im Bernepark in Bottrop.

Morgens hat es übrigens am Haupteingang um die Ecke einen Kiosk, der auch Brötchen und Kaffee hat 😉

Mehr über das Parkhotel im Bernepark und ihre Eindrücke hat Janett vom Blog  Teilzeitreisen schon vor längerer Zeit geschrieben.

Gegen 10.30 Uhr machen wir uns auf den Weg, bis dahin dösten wir gemütlich im Singsang von Blättern und Vögeln, nach Hause.

Doch Moment, da war doch noch was. Gestern Abend im Tofino, da hatte uns unser Gegenüber doch noch was empfohlen. Neben dem Tiger and Turtle, wo ich unbedingt auch mal noch hin will, das

Gasometer in Oberhausen mit Ausstellung „Wunder der Natur“

Das liegt direkt auf dem Weg zurück nach Stuttgart und wir sind uns schnell einig, dass wir genug Zeit haben, hier mal vorbeizuschauen.

Der Gaskessel Oberhausen, der 1927 bis 1929 gebaut wurde, steht beeindruckend mit einer Gesamthöhe von 117,5 m und einem Durchmesser von 67,6 m. Das war dann der größte Gaskessel zu dieser Zeit.

Wir haben Glück, als wir ankommen und unsere 10 EUR Eintritt bezahlen, ist es noch ruhig (als wir 1,5 Stunden später gehen, ist die Schlange sehr, sehr lang!).

Der Gaskessel in Oberhausen von vor der Kasse

Der Gaskessel in Oberhausen von vor der Kasse

Drinnen ist derzeit die Ausstellung „Wunder der Natur“, bei der zahlreiche Photographien ausgestellt sind – zusammen mit ausführlichen Informationen. Vor allem den Teil im Erdgeschoss fand ich sehr lohnend, die Bilder (teilweise laufen auch Videos) sind sehr gut!

Doch das Highlight ist die freischwebende Erde, die aus Aufnahmen des DLR erstellt wurde. Du kannst diese von unten anschauen,

Die Erde von unten im Gasometer Oberhausen

Die Erde von unten im Gasometer Oberhausen

oder auch von oben. Dorthin führt ein verglaster Panoramaaufzug.

Oben kannst Du auch noch ein paar Meter über Treppe (oder einen Außenaufzug) gehen und bist dann auf dem Gaskessel mit einem tollen Panoramablick in alle Richtungen

Panoramablick auf dem Dach des Gaskessels Gasometer Oberhausen

Panoramablick auf dem Dach des Gaskessels Gasometer Oberhausen

Fazit
Ein Wochenende im Ruhrgebiet lohnt – nicht nur zum 1. Tag der Trinkhallen. Das Ruhrgebiet bietet eine Menge, ich mag da gerne wieder hin, es gibt noch viel zu entdecken. Doch eine Veranstaltung wie dieser Tag – die bietet einen guten Anlass, das endlich mal zu tun!

Auch dabei war:

Offenlegung: Ich wurde von Ruhr Tourismus zur Übernachtung im Parkhotel Bottrop im Bernepark eingeladen. Anfahrt und alles andere haben wir selbst bezahlt. Herzlichen Dank hierfür, es war toll! Es wurde keine Art der Berichterstattung vorgeschrieben, Begeisterung ist immer meine eigene…
Ihr wollt schneller und „live“ bei meinen Reisen dabei sein? Dann folgt mir doch bei Instagram und/oder Twitter. Meist abends gibt es auf der Facebookseite des Reiseblogs dann auch eine kurze Zusammenfassung der Tage auf Reisen mit den Bildern vom Smartphone. Bei Instagram seid ihr sogar meist live dabei mit den Stories!

Auch Romy von Snoopsmaus hat übrigens dabei – privat, weil sie da wohnt.


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Veröffentlicht von Hubert Mayer

Blogger, Netzwerker, LL.B, Versicherungsmensch, ehrenamtlich in Stuttgart engagiert, Onlinejunkie. Du findest mich auch auf Twitter, Twitter, Facebook, Facebookseite des Travellerblogs, Google+ Wer mich und meine Bloggerei unterstützen möchte: Mein Amazon Wunschzettel ist lang

2 Kommentare

  1. Hallo Hubert,

    Danke für den tollen Bericht aus dem Ruhrgebiet. Klingt nach einem echt tollen und interessanten Wochenendtrip. Das Ruhrgebiet ist für mich bisher eher unbekannt, aber das kann man ja dank solcher Tips ändern 😉. Trinkhallen, Büdchen und Kioske sind noch echte Orte der Begegnung, finde ich gut.

    Liebe Grüße von
    Rita

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