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Auf Glückswegen der Wandertrilogie im Allgäu unterwegs – Tag 1: Marktoberdorf

Auf den Spuren der Wandertrilogie in Marktoberdorf mit Besuch des Römerbads und in Richtung Kaufbeuren

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Blogger-/Presseeinladung (Was ist das?)
Als ich die „Einladung“ zur Pressereise „Glückswege – unterwegs auf der Wiesengängerroute“ bekommen habe, da wollte ich sofort dabei sein. War ich doch erst vor zwei Jahren schon mal im Allgäu mit der Wandertrilogie unterwegs, damals im Grenzbereich Wasserläufer und Himmelsstürmer, erst von Pfronten nach Füssen, dann vom Tegelberg zur Kenzenhütte! Dieses Mal sollte es also gemütlicher zugehen, Wiesengänger Routen der Wandertrilogie sind die etwas flacheren Teile – mir gerade recht, denn ich bin derzeit noch nicht auf einem höheren Wanderfitnesslevel.

Startort am Freitagabend ist Marktoberdorf, wo wir uns am Start- und Willkommensplatz neben dem Rathaus mit dem Wanderführer Hartwig Tietze treffen, mit dem wir zum Auftakt unserer Wandertrilogie die Marktoberdorf-Runde gehen, eine kurze Strecke von etwa 3-4 km.

Typischer Start- und Willkommensplatz auf der Wandertrilogie - hier in Marktoberdorf
Typischer Start- und Willkommensplatz auf der Wandertrilogie

So ein Wahrzeichen befindet sich in jedem Portal-, Etappen- oder Themenort, du wirst es auch noch in den kommenden Beiträgen finden: unten ein Findling aus Auerkalk. Darauf befindet sich der blaue Allgäu-Würfel, darüber der Trilogieraum-Würfel, der die Geschichte des jeweiligen Raums symbolhaft darstellt (hier: Schloßpark) und oben als Abschluss der Ortswürfel, der die individuelle Geschichte des Ortes visualisiert (hier: gute und böse Geister).

34 Partnerorte hat die Wandertrilogie derzeit und hier werden viele Geschichten erzählt – alle in der sympathischen Ich-Form. Hier in Marktoberdorf sind wir im Übergangsbereich zwischen den Wasserläufer und den Wiesengänger Routen. Auf unserem Spaziergang auf der Marktoberdorf-Runde in Richtung der Buchel lernen wir viel von Hartwig. Zum Beispiel über den Kuhstallweiher, den wir am nächsten Tag noch sehen werden. Und das Klobunzele, das man dort dreimal rufen muss, wenn man(n) nicht eine Wasserfontaine abbekommen möchte.

Die erste urkundliche Erwähnung von Oberdorf datiert auf das Jahr 1241. Schon 1453 erfolgte die Markterhebung durch Friedrich, den 3. – da mussten dann auch Stadttore gebaut werden.

Und während wir in Richtung der St. Wendelin Kapelle gehen, erfahren wir noch so einiges mehr. 68 Hexen wurden in Marktoberdorf Ende des 16. Jahrhunderts verbrannt…

Die Geschichte dieser höchsten Kreisstadt in Deutschland ist auf alle vielfältig, schau doch einfach selbst vorbei und höre sie dir vor Ort an. Den größten Industriebetrieb hier kennst Du vermutlich auch, wenn Du schon mal auf einem Feld vorbei gekommen bist, auf dem mit Traktoren gearbeitet wurde: Die Familie Fendt, ursprünglich mit einer Schmiede gestartet, baut hier seit 1928 Traktoren.

Dann kommen wir an der St. Wendelin Kapelle an:

St. -Wendelin-Kapelle oberhalb von Marktoberdorf
St. -Wendelin-Kapelle oberhalb von Marktoberdorf

Wir laufe hier weiter auf die Buchel, vorbei an einem Engellandeplatz bis wir an einem Trilogieplatz kurz innehalten, der durch drei Nadeln und drei Geschichten markiert ist. Und hier passiert es auch dieses Mal wieder, was ich von meiner ersten Begehung der Wandertrilogie kenne. „Eigentlich…“ sieht man hier den Auerberg. Doch es ist zu diesig. Das „eigentlich“ wird uns auch dieses Mal verfolgen. „Eigentlich würde man sehen…“ ;)

Trilogieplatz mit den drei Nadeln, die drei Geschichten erzählen
Trilogieplatz mit den drei Nadeln, die drei Geschichten erzählen

Und eigentlich würde man auf dem weiteren weg durch dieses Fenster das Schloss sehen – momentan ist es etwas zugewachsen, ich bleibe daher ein paar Meter dahinter zurück:

Das Schloss ist schon in alten Urkunden des 15. Jahrhunderts zu finden, doch es erfolgten einige Erneuerungen im Laufe der Zeit. Vor allem als Jagdschloss wurde es von den Augsburger Fürstbischöfen genutzt, 1772 erfolgte ein erneuter grundlegender Umbau. Erst Fürstbischof Clemens Wenzeslaus nutzte das Schloss auch als Sommerresidenz und ließ 1774 bis 17890 die Lindenallee anlegen, die ich Dir nachher auch noch zeige, wenn wir diese am nächsten Tag bewandern. Fürstbischof Wenzeslaus war sehr beliebt, denn er hat auch die „normalen Menschen eingeladen – und auf ihn ist wohl die musische Geschichte von Marktoberdorf zurückzuführen.

Unser Abend klingt mit weiteren Geschichten, unter anderem zu den Bränden in Marktoberdorf, im Restaurant zum Sailer zu Abend essen – in dem wir tatsächlich vorzüglich speisen und ich bei meinem Tweet dazu direkt ein Feedback via Twitter bekomme, dass das eine tolle Wahl war. Und ja, ich kann das nur bestätigen, das Wiener Schnitzel mit Kässpätzle ist fantastisch! Also beides! Schnitzel UND Kässpätzle!

Wiener Schnitzel und Kässpätzle im Restaurant zum Sailer in Marktoberdorf - zum Reinlegen lecker!
Wiener Schnitzel und Kässpätzle im Restaurant zum Sailer in Marktoberdorf – zum Reinlegen lecker!

Die Nacht wird eher kurz und nach einem recht kurzen Frühstück geht es los mit einer kleinen Wanderung in Richtung des Kuhstallweihers und der Villa Rustica.

Unser Weg führt uns zunächst an der St. Martin Kirche in Marktoberdorf vorbei – das ist für mich tatsächlich eine Augenweide. Immer wieder interessant, denn christlich bin nicht mehr, aber Kirchen üben immer noch als Gebäude einen starken Reiz auf mich aus – und gerne genieße ich ab und zu auch die Stille und den Anblick in einer Kirche.

St. Martin Kirche Marktoberdorf - ganz nah ran ...
St. Martin Kirche Marktoberdorf – ganz nah ran …
St. Martin Kirche Marktoberdorf ein paar Meter weiter in Richtung Lindenallee
St. Martin Kirche Marktoberdorf ein paar Meter weiter in Richtung Lindenallee

Und dann geht es über die bereits erwähnte Lindenallee – und es brummt von oben wie irre. Sehr interessante Eindrücke, die die Natur hier bietet.

Lindenallee in Marktoberdorf
Lindenallee in Marktoberdorf

Als Zeichen, dass es von einem Ort zurück auf die Wandertrilogie geht, ist jeweils eine Eingangsstele vorgesehen, je nach Richtung, in die man läuft, wird sie für uns quasi auch zur „Ausgangsstele“. Auch auf ihr thront der Ortswürfel als erster Anreiz für den Wanderer, der einen Portal-, Etappen- oder Themenort erreicht, sich damit zu beschäftigen.

Eingangstele in Marktoberdorf auf der Lindenallee
Eingangstele in Marktoberdorf auf der Lindenallee

Die Beschilderung ist auch hier wieder vorbildlich – sowohl für die Wandertrilogie als auch für andere Wanderwege rund um Marktoberdorf.

Beschilderung der Wanderstrecken rund um Marktoberdorf
Beschilderung der Wanderstrecken rund um Marktoberdorf

Was Du auf diesem Schilderbaum besonders gut siehst, das ist, dass Du direkt im Übergangsbereich der Wiesengänger und Wasserläufer Routen der Wandertrilogie bist. Das Schild oben, das nach Marktoberdorf weist, hat das Steinmännle-Signet in grün für die Wiesengängerroute. Der Panoramaweg hat die gemischte Kennzeichnung grün-blau, während der Wegweiser nach Bertholdshofen schon durch seinen blauen Hintergrund darauf hinweist, dass es eine Wasserläuferroute der Wandertrilogie ist.

Die Ausblicke, die sich über die Wiesen hier bieten, sind herrlich – und tragen durch ihre Weite bei mir auch ein wenig zur Erholung bei…

Ausblick auf dem Panoramaweg kurz nach Marktoberdorf
Ausblick auf dem Panoramaweg kurz nach Marktoberdorf

Der weitere Weg bis zum Kuhstallweiher ist schön abwechslungsreich, der Untergrund der Wege ändert sich immer wieder, vom breiten Wirtschaftsweg durch den Wald zum schmaleren Pfad bis zum richtig schönen Waldweg über Wurzeln.

Christa und Bloggerin "Weltenbummlerin" Ivana vor mir
Christa und Bloggerin „Weltenbummlerin“ Ivana vor mir

Herrlich, oder? So sollten Wanderstrecken sein, ich kann ja Teer-/Asphaltwege gar nicht ab.

Dann kommen tatsächlich zum Kuhstallweiher, der See, der hier beliebt zum Baden ist, allerdings ohne sanitäre Einrichtungen außen herum. Uns fehlt leider die Zeit, dort rein zu hüpfen,

Der Kuhstallweiher liegt idyllisch in der Landschaft bei Marktoberdorf
Der Kuhstallweiher liegt idyllisch in der Landschaft bei Marktoberdorf

Ach ja – auch das Klobunzele ist hier mit einer Skulptur dargestellt, falls Du es bei deinen Rufen am Kuhstallweiher nicht heraus locken konntest:

Klobunzele am Kuhstallweiher
Klobunzele am Kuhstallweiher

Kurz hinter dem Kuhstallweiher, einmal unter der Bundesstrasse durch, kommen wir an unser erstes Etappenziel heute, das

Römerbad Marktoberdorf

Die Halle mit den Ausgrabungsresten des römischen Badehauses bei Marktoberdorf
Die Halle mit den Ausgrabungsresten des römischen Badehauses bei Marktoberdorf

Im Rahmen der Bauarbeiten zu der Bundesstrasse im Jahre 2002 bemerkte ein Planierraupenfahrer Geschirrteile und besaß die Geistesgegenwart, sofort abzubrechen und die Denkmalbehörden zu informieren. Es stellte sich heraus, dass hier eine Villa mit insgesamt 11 Gebäudebestandteilen sich befand, unter anderem mit einem Badehaus, dass daraufhin nicht nur freigelegt wurde, sondern auch eine Halle erhielt, damit man sich die Überreste genauer ansehen kann.

Bei den gefundenen Geschirrteilen handelte es sich um gut erhaltene Opfergaben. Eine Weihedepotgabe für die Götter – ein ziemlich seltener, gut erhaltener Fund mit Essensresten, die tatsächlich noch analysiert werden konnten: Es gab unter anderen damals Spare Rips (na gut, Schweine und Ziegen Rippen waren es). Das Geschirr war aus Terra Sigillata, was sich außerordentlich gut hält.

Das Römerbad ist 9×13 Meter groß und war quasi mit einer Rundumheizung versehen. Zu Beginn eines Badbesuches wurde der Römer mit Öl eingerieben, wieder abgerieben und ging dann ins Caldarium. Die Raumtemperatur beträgt hier etwa 50 Grad – der Fussboden mit etwa 70 Grad nochmal deutlich heißer. Danach geht es ins etwas kühlere Tepidarium.

Gebaut wurde das Badehaus wohl von römischen Legionären in Friedenszeiten.

Neben dem Badehaus steht in ein Turm,

in dem Handwerker und Künstler, die das Museum unterstützen, Gegenstände ausstellen und verkaufen dürfen –
interessanter für mich ist aber das Modell der Villa Rustica oben im Turm:

Modell der Villa Rustica
Modell der Villa Rustica

Der kurze Führung, dir wir hier erhalten haben, war überaus spannend, wenn man sich für römische Geschichte interessiert (yes, tu ich). Ab 5 Personen kannst Du die Führung auch vereinbaren, ansonsten in der Zeit von Mitte April bis Ende November an sonntags von 10 – 12 Uhr an den offenen Führungen teilnehmen. Kann ich Dir nur empfehlen, wenn Du mal in Marktoberdorf bist!

Wir kürzen jetzt ein Stück der Strecke ab und fahren mit dem Auto weiter, bis wir wieder ein etwa 5 km langes Stück der Wandertrilogie in Richtung Kaufbeuren bzw. Oberbeuren laufen. Vor lauter quatschen mache ich aber nur in einziges Bild…

Oberhalb von Oberbeuren machen in der

 

Skihütte Oberbeuren

unsere Mittagspause – und auch hier stellt mein Wunsch nach einem Schnitzel mit Kässpätzle kein Problem dar.

Schnitzel mit Kässpätzle in der Skihütte Oberbeuren
Schnitzel mit Kässpätzle in der Skihütte Oberbeuren

Und ich kann Dir eines sagen: Auch hier ist es sehr lecker! Wir sitzen draussen auf der Terrasse, aber ich zeige Dir trotzdem kurz, wie es drinnen aussieht (btw: die Skihütte Oberbeuren war ebenso wie alle anderen Orte, an denen wir gespeist haben, kein „einladender Gastgeber“, die Speisen und Getränke wurden regulär von der Allgäu GmbH bezahlt):

Da uns an unserem Zielort Kaufbeuren noch eine Stadtführung auf den Spuren von Crescentia erwartet, kürzen wir erneut mit dem Auto ab, obwohl es gar nicht mehr weit bis Kaufbeuren ist. Unterwegs legen wir noch einen schnellen Zwischenstopp an der

Burg Kemnat

ein, in der Hoffnung von diesem Turm

Burg der Burg Kemnat bei Kaufbeuren
Burg der Burg Kemnat bei Kaufbeuren

einen guten Ausblick in Richtung der Berge zu bekommen. „Eigentlich“ kann man von hier aus nämlich… Du ahnst es schon. Auch dieses Mal war trotz besserer Sicht als am Vortag keine echte Fernsicht gegeben, auch wenn doch einige nähere Berge zu erkennen waren wie der Säuling.

Ausblick vom Turm der Burg Kemnat
Ausblick vom Turm der Burg Kemnat

Dann geht’s weiter nach Kaufbeuren – und nach dem Einchecken im Hotel am Turm auf eine spannende Stadtführung auf Spuren der Crescentia. Doch von der, von der erzähle ich Dir im nächsten Beitrag :)

Hat Dir der Beitrag gefallen? Magst Du mehr wissen? Dann pack‘ deine Frage doch in die Kommentare oder schau Dir die Seiten der Wandertrilogie an, die ich unten in der roten Box mit der detaillierten Offenlegung der erhaltenen Leistungen verlinkt habe.

Ergänzende Links:

Stadt Marktoberdorf
Römerbad Marktoberdorf
Skihütte Oberbeuren (Achtung, die Seite wird nicht mehr gepflegt, die Speisekarte weicht auch ab)
Burg Kemnat

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Hinweis: Alle Bilder sind, trotz dass sie noch recht groß sind, einigermaßen für das Web optimiert und damit spätestens auf einem Retinadisplay nicht mehr 100 % scharf. Das nehme ich bewusst in Kauf. Die Originale habe ich natürlich trotzdem, falls ein Partner bedarf haben sollte – können wir uns gerne austauschen, wie wir ins Geschäft kommen!

Offenlegung: Ich wurde von der Allgäu GmbH zu einer Presse-/Bloggereise auf die Wandertrilogie eingeladen (auch wenn wir dann nur zwei Blogger waren). Die Einladung umfasste das gesamte Wochenende, also Anfahrtskosten, zwei Nächte inklusive Frühstück, Essen unterwegs und Abendessen inklusive des Programms. Auch die Getränke zum Essen und auf dem Frundsbergfest wurden hier übernommen. Herzlichen Dank an die Allgäu GmbH, vertreten direkt durch die liebe Melanie Daiber (Produktmanager Wandern) und Christa Fredlmeier, die Projektleiterin der Wandertrilogie!

Es floss keine Bezahlung und es wurden keine Vorgaben gemacht, ob und wann ich etwas schreiben „muss“. Grund, etwas schön zu schreiben, gibt es nicht – ich schreibe immer meine persönlichen Eindrücke.


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