Wie ist das Pilgern auf der Via Sacra? Teil 3: Araburg bis Lilienfeld

Früh morgens wurde ich wach. 4.45 Uhr hatte ich mir notiert. Es war einfach zu hell im Zimmer, der Vorhang im Kirchenwirt in Klein-Mariazell taugte nicht zur Verdunklung (mein Bericht). Und ich merkte durchaus meine Knochen von der langen Tour vom Vortag, immerhin waren es 32 km, die wir von Hinterbrühl bis hierher nach Klein-Mariazell gepilgert waren.

Ob ich wohl auch den zweiten Tag schaffe? Ein wenig cheaten war ja dabei – der Plan war, mit dem Taxi ZUR Araburg gebracht zu werden und dort zu starten. Von dort war geplant, dass jeder in seinem eigenen Tempo bis zum Mittagessen in Wiesenfeld wandert – immerhin ca. 21 km. Von da sollte es dann nochmal weiter gehen nach der Stärkung im Gasthof Löffler bis zum Stift Lilienfeld, weitere ca. 7 km.

Du hast da sicher schon bemerkt, dass da was in Großbuchstabens steht… Und die Geschichte unseres zweiten Pilgertages, die erzähle ich Dir jetzt:

Der Start – die Araburg

ZUR Araburg gebracht werden…

Die Araburg bei unserer Anfahrt von unten - Pilgern auf der Via Sacra

Die Araburg bei unserer Anfahrt von unten

Die ist immerhin auf knapp 800 Höhenmetern, da waren wir schon froh, dass wir die nicht bezwingen mussten. Dachten wir. Auf einmal standen wir auf einem Parkplatz, weit unterhalb der Araburg. Da, wo die Bäume beginnen. Und der Taxifahrer grinste und meinte: Weiter hoch geht es nicht mit dem Taxi.

Und da standen wir. Leidgeplagt vom Vortag. Und nun wieder vor einem Berg Hügel. Aber es half alles nichts. Wir mussten da hoch…

Schild auf Parkplatz unterhalb der Araburg - Pilgern auf der Via Sacra

Schild auf Parkplatz unterhalb der Araburg

Also – los geht’s, immer einen Schritt vor den anderen. Ich schoss recht schnell wieder los, ich beschrieb es im Artikel zum ersten Tag schon – ich kann nicht langsam den Berg hoch. Und dann war ich auch schon nach weniger als 20 Minuten oben am Ziel. Und der Aufstieg lohnt:

Die Araburg von kurz unterhalb vom Weg aus fotografiert - Pilgern auf der Via Sacra

Die Araburg

Die Araburg wurde im 12. Jahrhundert von den Araburgern errichtet und ist die höchst gelegene Burg in Niederösterreich. Trotz erhaltenen (oder gerade deswegen?) Mautrecht wurden die Araburger im Laufe der Geschichte als Raubritter bezeichnet – doch die Burg bot eine gute Rückzugsmöglichkeit. Als die Türken 1529 zum ersten Mal belagerten, war die Araburg ein sicherer Zufluchtsort – 1683, bei der zweiten Belagerung, dann leider nicht mehr und seitdem ist die Araburg eine Ruine.

Die Ruine ist frei zugänglich, wenn man ein wenig später kommt als wir, kann man sich auch am Kiosk,

Kiosk

Kiosk

der dort unten drin ist, erfrischen. Was sich auf alle Fälle lohnt, ist der Aufstieg

Weg zum Turm

Weg zum Turm

auf dem Turm, denn der bietet auf 799 m einen tollen Ausblick.

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Aber nicht nur rundherum kann man hier schauen, sondern auch nach unten 😉

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Und auch Zeit für ein Selfie war auf dem Turm 🙂

Selfie auf dem Trum der Araburg - Pilgern auf der Via Sacra

Selfie 😉

Die Stufen sind übrigens ziemlich steil im Turm, trittfest solltet ihr schon sein…

Treppe abwärts im Turm der Araburg - Pilgern auf der Via Sacra

Treppe abwärts im Turm…

Als ich unten ankam, war dann nur noch Tanja da – Monika, Elena und Oliver sind schon mal vor.

Der weitere Weg von Araburg nach Hainfeld

Nun denn, das machte nichts, an der nächsten Kreuzung holte ich sie ein – und wäre es nicht auch gut ausgeschildert gewesen, dann hätte ich den Weg dank dem an diesem Tag ausgiebig zum Einsatz gekommenen (Amazon Partnerlink:) Hikeline: Fernwanderweg Via Sacra : Wiener Wallfahrerweg. Auf traditionellen Pilgerpfaden von Wien nach Mariazell. Wanderführer und Karte 1:35.000, GPS-Tracks zum Download auch so gefunden 😉

Abzweigung - wo mag es wohl lang gehen? - Pilgern auf der Via Sacra

Abzweigung – wo mag es wohl lang gehen?

Aber es ist nicht schwer an der dieser Stelle:

Nach rechts geht es also.. - Pilgern auf der Via Sacra

Nach rechts geht es also..

Nach einem kurzen Stück haben wir die Wahl, auf der Forststrasse weiter zu laufen oder dem ausgezeichneten Pilgerpfad der Via Sacra zu folgen. Hast Du Probleme mit den Knien – dann bleib auf der Forststrasse, auf diese führt auch der Pilgerpfad wieder, der eher steiler bergab geht.

Am Ende des Weges durch den Wald geht es geradeaus weiter über die Wiese, immer am Zaun entlang.

Wiesenpilgern ;)

Wiesenpilgern 😉

Nicht wundern, wenn auf einmal ein auf den ersten Blick unüberwindbarer Zaun im Weg ist – wenn Du näher kommst, siehst Du die Bretterkontruktion, die dich diesen sicher überqueren lässt. Am einem Marterl geht es nach rund 3 km vorbei, doch wir halten kurz inne, machen einen Moment Pause. Die ersten Stimmen werden laut, dass die anderen ab Hainfeld das Taxi nach Wiesenfeld nehmen wollen – ich glaube ihnen noch kein Wort. Immer wieder führt uns der Weg über Wiesen, was mir ein wenig die Orientierung erschwert, weiss ich doch gar nicht, ob wir noch richtig sind. Doch die Wegführung und der Ausblick, der sich immer wieder bietet, ist fantastisch:

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Irgendwann kommt für mich die Erlösung im Wald – ein Wegweiser, dass es rechts nach unten geht. Aber nicht auf der im Führer beschriebenen Forststrasse, sondern einen steilen Pfad geht es nach unten. Ganz schön anstrengend, vor allem mit den 32 km vom Vortag in den Gelenken. Doch bald wird der Weg wieder breiter – und ich gebe wieder Gas, ein wenig Zeit und km „fressen“. Doch dann warte ich wieder auf die anderen, so richtig Lust, alleine größere Stücke zu gehen, habe ich nicht. Und auch ein wenig auf sie achten wollte ich auch…

An der Stelle, wo im Wanderführer unter Nr. 7 steht „bei der nächsten Kurve gehen Sie am Waldweg weiter geradeaus abwärts“ – da ist eine Kehre gemeint und das Schild, das den Weg abwärts zeigt, ist schwer zu sehen.

Hainfeld – die ersten steigen ins Taxi…

Wenig später stehen wir auf einmal vor einer Kuhweide.

Kuhweide auf unserem Weg kurz vor Hainfeld - Pilgern auf der Via Sacra

Kuhweide auf unserem Weg kurz vor Hainfeld

Und tatsächlich, der Weg geht hier mitten durch die Kuhweide und dann unten links in den Ort Hainfeld hinein. Hier zeigt sich, dass meine lieben Mitpilger es doch ernst gemeint haben und einen längeren Stopp mit Apothekenbesuch einlegen, während ich tapfer alleine weiter pilgere.

Ganz ehrlich: Ich hätte ebenfalls mit dem Taxi fahren sollen. Zumindest wäre es nicht verkehrt gewesen. Das Stück bis Wiesenfeld ist nicht sonderlich schön gewesen und hat sich ziemlich gezogen. In Hainfeld noch das eine oder andere schöne Haus,

Haus in Hainfeld - Pilgern auf der Via Sacra

Haus in Hainfeld

doch ansonsten folgt der Weg einer Asphaltstrasse bzw. später Radweg. Eine Zeit lang geht es nur so durch das Tal (wenigstens ist der Ausblick nach vorne schön)

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später auch an einem Fluss entlang, doch immer auf Asphalt. Nicht immer ist es möglich, diesen zu verlassen und einen Schritt neben dem Weg zu gehen. Die Strecke ermüdet mich und ich spiele mit dem Gedanken, doch eine längere Pause einzulegen, als ich dies sehe:

Liegestuhl an Strecke zwischen Hainfeld und Wiesenfeld - Pilgern auf der Via Sacra

Liegestuhl an Strecke zwischen Hainfeld und Wiesenfeld

Das Gute an der Strecke: Unterwegs in Unterrohrbach konnte ich bei einem Bäcker günstig ein Getränk kaufen und auch später kommt ein Kiosk für Radfahrer, an dem ich mich nochmal mit einem kühlen Getränk erfrische. Das ist auch nötig, denn Schatten ist auf diesem Streckenabschnitt spärlich gesät.

Doch immer weiter zieht es mich, hatte ich doch eine ungefähre Ankunftszeit genannt, wo ich zu den anderen zum Mittagessen stossen wollte.

Dass der Fluss, an dem es auf dem letzten Stück bis Wiesenfeld entlang geht, auch mehr Wasser führen kann als jetzt Ende Juni, ist gut zu sehen:

Geäst in der Brücke verfangen... - Pilgern auf der Via Sacra

Geäst in der Brücke verfangen…

In St. Veit gibt es dann nochmal ein paar nette Häuser.

Haus in St. Veit - Pilgern an der Via Sacra

Haus in St. Veit

Ich denke zu diesem Zeitpunkt erst: „Schade, dass wir nicht hier zu Mittag essen, die anderen hätten vielleicht dann doch ja gesagt zu der Strecke“. Doch dann wird mir klar, dass es die zwei Kilometer, die es bis Wiesenbach sind, wohl kaum ausmachen.

In Wiesenfeld komme ich auf die glorreiche Idee, erst einmal bei Google Maps zu schauen, wo ich denn hin muss, nicht, dass ich falsch laufe und das Lokal gar nicht direkt auf der Strecke ist. BINGO! Genau so war es.. Und es waren ab Ortseingang nochmal zwei Kilometer bis zum Mittagsziel, dem

Gasthof Löffler in Wiesenfeld

Da waren sie. Alle wohlbehalten angelangt und gut erholt Dank zwischenzeitlichem Kneippen. Yvonne Simek vom Mostviertel Tourismus ist zwischenzeitlich dazu gestossen. Und die Gruppe versucht, mich in den Schatten zu nötigen. Nee, nee, nicht mit mir, ich will mich ein wenig vor dem Gasthof Löffler sonnen. Und freue mich schon auf das Essen, denn die anderen bekommen es gerade auf den Tisch.

Und da ich stolz auf das Geleistete bin, bestelle ich mir ein Gebackenes:

Gebackenes mit Salat im Gasthof Löffler in Wiesenfeld - Pilgern auf der Via Sacra

Gebackenes mit Salat im Gasthof Löffler

und was soll ich sagen – es ist fantastisch! Ein absolutes Lob an den Koch dort, das war Hammer! Und, wie Du siehst, eine riesige Portion.

Und dann lädt uns der Wirt zu einem Birnen Cider ein – und anschließend lässt es sich auch der Bürgermeister, Hans Gastegger,  nicht nehmen, uns zu einem Dirndlschnaps (besteht aus Kornelkirsche) einzuladen. Wir sagen danke! Und ich: „Hallo Schnapsmädels“ ;))

Von links nach rechts: Monika, Tanja, Elena und Yvonne - Pilgern an der Via Sacra

Von links nach rechts: Monika, Tanja, Elena und Yvonne

Weiter geht es über Traisen nach Lilienfeld auf der Via Sacra

Der Rest der Etappe bis zum Stift Lilienfeld ist schnell erzählt – gemeinsam getrennt in kleinen Gruppen gehen wir bis Traisen, immer am Fluss entlang und quatschend vergeht die Zeit schnell. Doch die Strapazen machen sich bei einigen wieder bemerkbar und so wird kurzerhand entschlossen, dass, da wir auch am Folgetag eine ordentliche Strecke mit einigen Höhenmetern vor uns haben, ein Taxi gerufen wird und die letzten 2-3 km nicht mehr gelaufen werden.

Nunja. Nicht alle, ich laufe mit Monika und Yvonne eisern weiter, aufgeben kommt für mich nicht in Frage (und ja, ich kann es aber nachvollziehen, dass die anderen abgebrochen haben, ich war wenigstens ein wenig vortrainiert durch meine Bergtouren im Stillachtal und im Westerwald). Und so spannend war die Strecke dann auch nicht.

Angekommen in Lilienfeld lassen wir das Stift jedoch erst einmal links liegen (ja, wörtlich) und gehen zum Supermarkt – ich sehe für mich dringenden Bedarf für Franzbranntwein, den ich hier erwerbe.

Dann „schnell“ in das Stift Lilienfeld,

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wo wir nächtigen werden und nach dem Zimmerbezug ein schönes Abendessen im Kellerstüberl“. Doch vom Stift erzähle ich euch ein ander Mal [Update 20.07.: Hier ist mein Bericht zum Stift Lilienfeld]. Und ich bin sicher, ihr seid begeistert von diesem unglaublich schönen Kleinod!

Für Abends noch eine Empfehlung, wenn es etwas wärmer ist: Moti’s Strandbar Salettl ist direkt gegenüber dem Stift Liliental auf der anderen Flusseite – und es echt nett, direkt am Fluss zu sitzen, einen Cocktail zu schlürfen und zu lauschen, ob einer der Bieber an der Arbeit ist. Oder die „Aufräumratte“, wie sie der Chef der Strandbar getauft hat 😉

Disclosure:
Zum BloggerPilgern ins Mostviertel wurde ich via Elena Paschinger (Danke, meine Liebe!) von der Destination Mostviertel Tourismus eingeladen. Herzlichen Dank für die Einladung, die von der Anreise über Unterkunft zur Verpflegung hin alles umfasste, eingeladen. Meine Meinung lasse ich mir von einer Einladung nicht beeinflussen.


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Veröffentlicht von Hubert Mayer

Blogger, Netzwerker, LL.B, Versicherungsmensch, ehrenamtlich in Stuttgart engagiert, Onlinejunkie. Du findest mich auch auf Twitter, Twitter, Facebook,
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